Gymnasium CHRISTIANEUM

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Die Architektur des Christianeums - Drei Gebäude und ihre Geschichte

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Die Architektur des Christianeums
Drei Gebäude und ihre Geschichte
Das Gebäude von Arne Jacobsen
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Drei Gebäude und ihre Geschichte

Zur Quellensammlung von Klaus Grundt

von Felicitas Noeske


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1683 wurde im damals noch dänischen Altona die erste Lateinschule gegründet, „zu äußerst von der Stadt an einem so abgelegenen kothigen Ort“, wie ihr erster Rektor, Daniel Hartnac (oder: Harnack), laut Überlieferung befand; sie wurde 1689 wieder geschlossen. Ideen zu einer neuen Lateinschule im Jahre 1708 wurden zunächst nicht weiter verfolgt; nach der Einäscherung durch die Schweden (1713) und einer Pestepidemie hatte Altona andere Sorgen als die Bildung. Durch Spenden, vor allem aus Dänemark, ermutigt, begann man 1721 unter dem Oberpräsidenten der Stadt, Christian Detlev von Reventlow, mit dem Neubau für eine Lateinschule an der Schulstraße (heute: Hoheschulstraße), die als Friedrichschule, benannt nach König Frederik IV. von Dänemark, im Jahre 1725 ihren Betrieb aufnahm. 1738 wurde durch Reskript des Königs Christian VI. von Dänemark die Friedrichschule zu einem Gymnasium Academicum aufgewertet, das mit Fundationsbrief vom 11. Mai 1744 den Namen Christianeum erhielt und am 26. Mai desselben Jahres offiziell eingeweiht wurde.

Nachdem das erste Gebäude an der Schulstraße gut 200 Jahre genutzt worden war und auch mit einer wilhelminischen Erweiterung den Erfordernissen nicht mehr genügte, bekam das Christianeum 1936 einen großen, bauhausinspirierten Neubau in Othmarschen an der Behringstraße (seinerzeit: Roonstraße). Dieser war, 1930/31 als Hochschule für Lehrerbildung geplant und begonnen, infolge der Wirtschaftskrise zunächst im Rohbau stillgelegt worden; 1934–1936 wurde er für das Christianeum fertiggestellt. Das Bombardement Hamburgs 1943 und spätere Angriffe überstand das neue Schulgebäude kaum beschädigt. Vom Mai bis zum Oktober 1945 war es Sitz der englischen Militärkommandantur. 1971 musste das Gebäude dem Bau des neuen Autobahn-Elbtunnels (1968–1975) weichen.

Christianeum.07.08_800x600Seit 1971 ist die Anstalt an der Otto-Ernst-Straße (Othmarschen) in einem funktionalistischen Neubau untergebracht, der nach Plänen des dänischen Architekten Arne Jacobsen (1902–1971) errichtet und 1972 eingeweiht wurde. Aufgrund der Verträge mit den Erben des dänischen Architekten darf das Haus baulich nicht über die vom Urheber des Entwurfs vorgesehene Gebäudeflexibilität hinaus verändert werden. Das Konzept sah allerdings die Veränderbarkeit der Innenräume vor, da Außenträger das Gebäude stützen und tragende Wände deshalb bis auf einige Ausnahmen nicht nötig sind. Die Auflösung der Außenwände in Verglasungen erlaubt überdies auch in fast allen Gängen den Ausblick nach draußen. Durch die Trägerkonstruktion ergibt sich eine markante äußere Ästhetik des Baus, über die bis heute kontroverse Diskussionen geführt werden.1

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1721. In fine laus
(Am Ende das Lob)


In.fine.laus_664x800Das erste Schultor von 1721 war, nachdem sein Gemäuer aus dem 18. Jahrhundert nach dem Umzug der Schule 1936 abgerissen worden war, an der Seitenwand des Hauptflügels an der Behringstraße angebracht gewesen und bekam 1971 beim erneuten Umzug der Schule seinen nunmehr dritten Standort. Die seit den 1930er Jahren verbliebenen und ausgebauten beiden Seitenflügel an der Schulstraße waren mitsamt ihrer wilhelminischen Erweiterung bei der Bombardierung Hamburgs 1943 zerstört worden.

Das alte Tor mit Zahl und „lausigem“ Spruch in Gold, das der Besucher des Christianeums vor dem Eingang passiert, ist der letzte Rest eines Anfangs, der gewandert ist in Form einer steinernen Skulptur. Der zugemauerte Leerraum, der ehemals eine Tür enthielt, bekam auch einen in Stein gemeißelten Abriss der Geschichte der Anstalt. Klaus Grundt, bis 1998 stellvertretender Schulleiter des Christianeums, ist jahrzehntelang daran vorbeigegangen; ob er hinschaute oder gar inspiriert wurde von der abweisenden steinernen Haltung, ist unbekannt; im Jahr 2006 überreichte er der Bibliothek des Christianeums eine Sammlung aller erreichbaren Dokumente zur Geschichte der Gebäude. 2

 

034_1__Christianeum__I__1897____800x590Klaus Grundt hatte sich noch während seiner Amtszeit vorgenommen, als Pensionär ein Buch zu schreiben zur Geschichte der Gebäude, die das Christianeum seit seiner Gründung beherbergten. Einen Mitstreiter hatte er auch gefunden, seinen Kollegen Bernhard Meier, beide wussten, dass man mit den Quellen, den überkommenen Zeugnissen der Historie, beginnt. Bereits nach zwei Jahren wurde deutlich, dass die schriftlichen Zeugnisse im Archiv und in der Bibliothek des Christianeums nur einen Bruchteil der tatsächlich in Hamburg vorhandenen darstellten. Der pensionierte Mathematiker Grundt begann seine Tage im Hamburger Staatsarchiv zu verbringen, der Russisch- und Geographielehrer Meier erkannte seine Grenze angesichts der Dienstpflichten durch Arbeitszeitfaktoren und der „Rentneröffnungszeiten“ des Staatsarchivs; im Jahr 2000 stieg er aus der Gebäudegeschichte aus. Pensionär Grundt erlernte unterdessen den Gebrauch der für die Aufnahme von Archivalien erforderlichen Software seines Rechners. Was er, immer wieder beinträchtigt durch schwankende Gesundheit, zusammentrug aus den Archiven und Bibliotheken, ist nicht hoch genug zu loben und bezeugt seine Ausdauer und sein Geschick im Auffinden auch entlegener Quellen.

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Wer die Quellen lesen kann, braucht kein Geschichtsbuch. Allerdings hat man nie alle Quellen und ist deshalb auf die Zusammenfassungen von Historikern angewiesen, die auch nie alle zur Verfügung haben. Die Geschichte des Christianeums ist vielfach beschrieben worden seit seiner Gründung im Jahre 1738, aber nachfolgend schrieben sie auch alle voneinander ab. Anlässlich der Umzüge des Christianeums wurde auch die Historie der Gebäude jeweils vermerkt, dabei gern auf der Grundlage bereits von Vorgängern verfasster Darstellungen. Die oben stehende Zusammenfassung der Geschichte habe ich, nur unwesentlich verändert, der Online-Enzyklopädie Wikipedia entnommen. Klaus Grundt verfolgte eine Idee, die die Anfänge der modernen Geschichtswissenschaft prägte und zum Beispiel den Christianeumsschüler Theodor Mommsen zu seiner Sammlung römischer Inschriften veranlasste: die der Vollständigkeit der Zeugnisse, bis heute Ziel und Legitimation aller Archive. Die (nach menschlichem Ermessen) vollständige Sammlung von Quellen zu einem Sujet, wie Klaus Grundt sie zusammengetragen hat, ist anschaulicher, erhellender und wirklicher für den Leser, als ein noch so gelungener Aufsatz es darstellen kann. Bewegte Bilder. 

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041_1__Lehrerwohnungen__1903_____800x602Der „kothige Ort“ des Herrn Harnack erscheint als - durchaus nachvollziehbar - nicht allseits gepflegte Hafengegend, die Darlegung der Wohnverhältnisse der professores und des untergebenen Personals in der Altonaer Schulstraße des 18. Jahrhunderts lassen mehr als ahnen, warum es ganz sinnvoll gewesen sein könnte, dass später die Preußen zumindest das Lehrpersonal soweit alimentierten, dass dieses sich eine eigene Bleibe leisten konnte. - Eine Reminiszenz des Direktors Dr. Robert Grosse aus dem Jahr 1933 an „braune Gesellen“ im „Zigeunerviertel“ seiner Schule, die er zwar als „friedfertig erachtete, aber als Lieferanten eines „Sack[s] fauler Fische“ vor seiner Tür anscheinend nicht ausschloss, erhellt auch die im Archiv des Christianeums verwahrten Kopien der amtlichen, in ihrer Form schamlos diskreditierenden Akten zu seiner Amtsentlassung im Jahre 1934. Die Dokumentation des Gebäudes an der Behringstraße in den 1930er Jahren offenbaren sowohl die Sachlichkeit „visionärer Stadtplaner“ als auch Details der Auftragsvergabe; so ließ sich ein Altonaer Unternehmer für „Spezial-Verkauf von Gardinen, Teppichen, Tischdecken, Dekorationsstoffen“ im Jahre 1936 im Rahmen seiner Offerte für „Linoleum-Arbeiten“ und „Verdunkelungsanlagen“ von einem Rechtsanwalt bestätigen, ein „Reichsbürger“ zu sein, da „lediglich 2 Großelternteile“ jüdisch seien; er hatte auf der Liste „nichtarischer Firmen“ gestanden. - Die Akten zum Bau in der Otto-Ernst-Straße umfassen zwei Drittel der Sammlung und repräsentieren ein Stück Hamburger und bundesrepublikanischer Bildungsgeschichte. Besonders wertvoll ist die Erfassung des Wettbewerbs zum Neubau; die gezeigten Entwürfe der im Wettbewerb unterlegenen Modelle provozieren ein Gedankenspiel: Was wäre, wenn wir heute in einem der Abgelehnten wohnten

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Das auch seltene Bildzeugnisse enthaltende Werk von Klaus Grundt umfasst 480 Seiten; das Manuskript liegt in zwei Exemplaren von Computerausdrucken vor, die in den Katalog der Christianeumsbibliothek aufgenommen wurden. Bis ins 19. Jahrhundert hinein war es Sitte, die ihre Anstalt betreffenden Werke der Lehrer des Christianeums zu drucken und als „Opuscula Professorum“ chronologisch einzubinden. Angesichts der Quellensammlung von Klaus Grundt liegt der Gedanke nahe, die Sitte wiederzubeleben, damit dieses außerordentliche Werk der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann.



Anmerkungen:

1 Nach: http://de.wikipedia.org/wiki/Christianeum 04. 11. 2007
2
Klaus Grund: Quellen zu den Gebäuden des Christianeums. Manuskript. Hamburg, 2006. 480 Seiten (2 Exemplare)

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Erschienen in: © Christianeum. Mitteilungsblatt des Vereins der Freunde des Christianeums in Verbindung mit der Vereinigung ehemaliger Christianeer, 62. Jg., H. 2. Hamburg, Dezember 2007. S. 70ff.

Fotos:
Tor: Quelle + Lizenz
Hof: Quelle + Lizenz

Gebäude von 1744, 1897 und 1904: Archiv des Christianeums

Hinweis:
Fotos des Gebäudes in der Behringstraße, des zweiten Hauses des Christianeums, können hier aus urheberrechtlichen Gründen vorerst leider nicht veröffentlicht werden; sie sind aber im Fotoarchiv des Christianeums einsehbar, desgleichen in der o.g. Ausgabe von Christianeum.