Gymnasium CHRISTIANEUM

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Die Architektur des Christianeums

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Die Architektur des Christianeums
Drei Gebäude und ihre Geschichte
Das Gebäude von Arne Jacobsen
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Das Christianeum hatte seine Heimstatt seit 1738 an drei verschiedenen Orten in Altona. Sein heutiges Gebäude, das dritte in seiner Geschichte nach einem Entwurf von Arne Jacobsen (1902-1971), wurde 1971 bezogen und 1972 eingeweiht.

Foto: Quelle + Lizenz




Drei Gebäude und ihre Geschichte

Zur Quellensammlung von Klaus Grundt

von Felicitas Noeske


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1683 wurde im damals noch dänischen Altona die erste Lateinschule gegründet, „zu äußerst von der Stadt an einem so abgelegenen kothigen Ort“, wie ihr erster Rektor, Daniel Hartnac (oder: Harnack), laut Überlieferung befand; sie wurde 1689 wieder geschlossen. Ideen zu einer neuen Lateinschule im Jahre 1708 wurden zunächst nicht weiter verfolgt; nach der Einäscherung durch die Schweden (1713) und einer Pestepidemie hatte Altona andere Sorgen als die Bildung. Durch Spenden, vor allem aus Dänemark, ermutigt, begann man 1721 unter dem Oberpräsidenten der Stadt, Christian Detlev von Reventlow, mit dem Neubau für eine Lateinschule an der Schulstraße (heute: Hoheschulstraße), die als Friedrichschule, benannt nach König Frederik IV. von Dänemark, im Jahre 1725 ihren Betrieb aufnahm. 1738 wurde durch Reskript des Königs Christian VI. von Dänemark die Friedrichschule zu einem Gymnasium Academicum aufgewertet, das mit Fundationsbrief vom 11. Mai 1744 den Namen Christianeum erhielt und am 26. Mai desselben Jahres offiziell eingeweiht wurde.

Nachdem das erste Gebäude an der Schulstraße gut 200 Jahre genutzt worden war und auch mit einer wilhelminischen Erweiterung den Erfordernissen nicht mehr genügte, bekam das Christianeum 1936 einen großen, bauhausinspirierten Neubau in Othmarschen an der Behringstraße (seinerzeit: Roonstraße). Dieser war, 1930/31 als Hochschule für Lehrerbildung geplant und begonnen, infolge der Wirtschaftskrise zunächst im Rohbau stillgelegt worden; 1934–1936 wurde er für das Christianeum fertiggestellt. Das Bombardement Hamburgs 1943 und spätere Angriffe überstand das neue Schulgebäude kaum beschädigt. Vom Mai bis zum Oktober 1945 war es Sitz der englischen Militärkommandantur. 1971 musste das Gebäude dem Bau des neuen Autobahn-Elbtunnels (1968–1975) weichen.

Christianeum.07.08_800x600Seit 1971 ist die Anstalt an der Otto-Ernst-Straße (Othmarschen) in einem funktionalistischen Neubau untergebracht, der nach Plänen des dänischen Architekten Arne Jacobsen (1902–1971) errichtet und 1972 eingeweiht wurde. Aufgrund der Verträge mit den Erben des dänischen Architekten darf das Haus baulich nicht über die vom Urheber des Entwurfs vorgesehene Gebäudeflexibilität hinaus verändert werden. Das Konzept sah allerdings die Veränderbarkeit der Innenräume vor, da Außenträger das Gebäude stützen und tragende Wände deshalb bis auf einige Ausnahmen nicht nötig sind. Die Auflösung der Außenwände in Verglasungen erlaubt überdies auch in fast allen Gängen den Ausblick nach draußen. Durch die Trägerkonstruktion ergibt sich eine markante äußere Ästhetik des Baus, über die bis heute kontroverse Diskussionen geführt werden.1

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1721. In fine laus
(Am Ende das Lob)


In.fine.laus_664x800Das erste Schultor von 1721 war, nachdem sein Gemäuer aus dem 18. Jahrhundert nach dem Umzug der Schule 1936 abgerissen worden war, an der Seitenwand des Hauptflügels an der Behringstraße angebracht gewesen und bekam 1971 beim erneuten Umzug der Schule seinen nunmehr dritten Standort. Die seit den 1930er Jahren verbliebenen und ausgebauten beiden Seitenflügel an der Schulstraße waren mitsamt ihrer wilhelminischen Erweiterung bei der Bombardierung Hamburgs 1943 zerstört worden.

Das alte Tor mit Zahl und „lausigem“ Spruch in Gold, das der Besucher des Christianeums vor dem Eingang passiert, ist der letzte Rest eines Anfangs, der gewandert ist in Form einer steinernen Skulptur. Der zugemauerte Leerraum, der ehemals eine Tür enthielt, bekam auch einen in Stein gemeißelten Abriss der Geschichte der Anstalt. Klaus Grundt, bis 1998 stellvertretender Schulleiter des Christianeums, ist jahrzehntelang daran vorbeigegangen; ob er hinschaute oder gar inspiriert wurde von der abweisenden steinernen Haltung, ist unbekannt; im Jahr 2006 überreichte er der Bibliothek des Christianeums eine Sammlung aller erreichbaren Dokumente zur Geschichte der Gebäude. 2

 

034_1__Christianeum__I__1897____800x590Klaus Grundt hatte sich noch während seiner Amtszeit vorgenommen, als Pensionär ein Buch zu schreiben zur Geschichte der Gebäude, die das Christianeum seit seiner Gründung beherbergten. Einen Mitstreiter hatte er auch gefunden, seinen Kollegen Bernhard Meier, beide wussten, dass man mit den Quellen, den überkommenen Zeugnissen der Historie, beginnt. Bereits nach zwei Jahren wurde deutlich, dass die schriftlichen Zeugnisse im Archiv und in der Bibliothek des Christianeums nur einen Bruchteil der tatsächlich in Hamburg vorhandenen darstellten. Der pensionierte Mathematiker Grundt begann seine Tage im Hamburger Staatsarchiv zu verbringen, der Russisch- und Geographielehrer Meier erkannte seine Grenze angesichts der Dienstpflichten durch Arbeitszeitfaktoren und der „Rentneröffnungszeiten“ des Staatsarchivs; im Jahr 2000 stieg er aus der Gebäudegeschichte aus. Pensionär Grundt erlernte unterdessen den Gebrauch der für die Aufnahme von Archivalien erforderlichen Software seines Rechners. Was er, immer wieder beinträchtigt durch schwankende Gesundheit, zusammentrug aus den Archiven und Bibliotheken, ist nicht hoch genug zu loben und bezeugt seine Ausdauer und sein Geschick im Auffinden auch entlegener Quellen.

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Wer die Quellen lesen kann, braucht kein Geschichtsbuch. Allerdings hat man nie alle Quellen und ist deshalb auf die Zusammenfassungen von Historikern angewiesen, die auch nie alle zur Verfügung haben. Die Geschichte des Christianeums ist vielfach beschrieben worden seit seiner Gründung im Jahre 1738, aber nachfolgend schrieben sie auch alle voneinander ab. Anlässlich der Umzüge des Christianeums wurde auch die Historie der Gebäude jeweils vermerkt, dabei gern auf der Grundlage bereits von Vorgängern verfasster Darstellungen. Die oben stehende Zusammenfassung der Geschichte habe ich, nur unwesentlich verändert, der Online-Enzyklopädie Wikipedia entnommen. Klaus Grundt verfolgte eine Idee, die die Anfänge der modernen Geschichtswissenschaft prägte und zum Beispiel den Christianeumsschüler Theodor Mommsen zu seiner Sammlung römischer Inschriften veranlasste: die der Vollständigkeit der Zeugnisse, bis heute Ziel und Legitimation aller Archive. Die (nach menschlichem Ermessen) vollständige Sammlung von Quellen zu einem Sujet, wie Klaus Grundt sie zusammengetragen hat, ist anschaulicher, erhellender und wirklicher für den Leser, als ein noch so gelungener Aufsatz es darstellen kann. Bewegte Bilder. 

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041_1__Lehrerwohnungen__1903_____800x602Der „kothige Ort“ des Herrn Harnack erscheint als - durchaus nachvollziehbar - nicht allseits gepflegte Hafengegend, die Darlegung der Wohnverhältnisse der professores und des untergebenen Personals in der Altonaer Schulstraße des 18. Jahrhunderts lassen mehr als ahnen, warum es ganz sinnvoll gewesen sein könnte, dass später die Preußen zumindest das Lehrpersonal soweit alimentierten, dass dieses sich eine eigene Bleibe leisten konnte. - Eine Reminiszenz des Direktors Dr. Robert Grosse aus dem Jahr 1933 an „braune Gesellen“ im „Zigeunerviertel“ seiner Schule, die er zwar als „friedfertig erachtete, aber als Lieferanten eines „Sack[s] fauler Fische“ vor seiner Tür anscheinend nicht ausschloss, erhellt auch die im Archiv des Christianeums verwahrten Kopien der amtlichen, in ihrer Form schamlos diskreditierenden Akten zu seiner Amtsentlassung im Jahre 1934. Die Dokumentation des Gebäudes an der Behringstraße in den 1930er Jahren offenbaren sowohl die Sachlichkeit „visionärer Stadtplaner“ als auch Details der Auftragsvergabe; so ließ sich ein Altonaer Unternehmer für „Spezial-Verkauf von Gardinen, Teppichen, Tischdecken, Dekorationsstoffen“ im Jahre 1936 im Rahmen seiner Offerte für „Linoleum-Arbeiten“ und „Verdunkelungsanlagen“ von einem Rechtsanwalt bestätigen, ein „Reichsbürger“ zu sein, da „lediglich 2 Großelternteile“ jüdisch seien; er hatte auf der Liste „nichtarischer Firmen“ gestanden. - Die Akten zum Bau in der Otto-Ernst-Straße umfassen zwei Drittel der Sammlung und repräsentieren ein Stück Hamburger und bundesrepublikanischer Bildungsgeschichte. Besonders wertvoll ist die Erfassung des Wettbewerbs zum Neubau; die gezeigten Entwürfe der im Wettbewerb unterlegenen Modelle provozieren ein Gedankenspiel: Was wäre, wenn wir heute in einem der Abgelehnten wohnten

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Das auch seltene Bildzeugnisse enthaltende Werk von Klaus Grundt umfasst 480 Seiten; das Manuskript liegt in zwei Exemplaren von Computerausdrucken vor, die in den Katalog der Christianeumsbibliothek aufgenommen wurden. Bis ins 19. Jahrhundert hinein war es Sitte, die ihre Anstalt betreffenden Werke der Lehrer des Christianeums zu drucken und als „Opuscula Professorum“ chronologisch einzubinden. Angesichts der Quellensammlung von Klaus Grundt liegt der Gedanke nahe, die Sitte wiederzubeleben, damit dieses außerordentliche Werk der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann.



Anmerkungen:

1 Nach: http://de.wikipedia.org/wiki/Christianeum 04. 11. 2007
2
Klaus Grund: Quellen zu den Gebäuden des Christianeums. Manuskript. Hamburg, 2006. 480 Seiten (2 Exemplare)

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Erschienen in: © Christianeum. Mitteilungsblatt des Vereins der Freunde des Christianeums in Verbindung mit der Vereinigung ehemaliger Christianeer, 62. Jg., H. 2. Hamburg, Dezember 2007. S. 70ff.

Fotos:
Tor: Quelle + Lizenz
Hof: Quelle + Lizenz

Gebäude von 1744, 1897 und 1904: Archiv des Christianeums

Hinweis:
Fotos des Gebäudes in der Behringstraße, des zweiten Hauses des Christianeums, können hier aus urheberrechtlichen Gründen vorerst leider nicht veröffentlicht werden; sie sind aber im Fotoarchiv des Christianeums einsehbar, desgleichen in der o.g. Ausgabe von Christianeum.




Zur Architektur des Christianeums

Das Gebäude von Arne Jacobsen

von Christina Nur

(Leistungskurs Kunst, 2003)


schuleimherbst

Was mir am „Christianeum“ besonders gefällt, ist die schöne Eingliederung in die Umgebung. Jacobsens Konzept, das Gebäude mit der Natur zu einer Gestaltungseinheit zu bringen, Natur und Architektur zu vereinen, ist für mich aufgegangen. Er hat damit die organische Architektur, die durch Frank Lloyd Wright im internationalen Stil bekannt wurde und die in vieler Hinsicht auf den naturverbundenen Jacobsen Eindruck machte, geschickt angewandt. Viele weiche, geschwungene, also organische Formen werden auf den ersten Blick am „Christianeum“ kaum sichtbar, sind jedoch sehr wohl zu finden, z.B. an den geschwungenen WC-Einheiten.

Arne Jacobsen wollte eine eigene Formsprache im internationalen Modernismus entwickeln, die die lokalen Traditionen der Umgebung aufnehmen sollte. Unter diesem Aspekt wurde das „Christianeum“ auch oft mit einem Schiff verglichen: die drei großen, von weitem sichtbaren Schornsteine, eine Art Ober- und Unterdeck (die zwei Stockwerke), die vielen runden, bullaugenartigen Lüftungslöcher und zu guter Letzt die vertiefte Lage in der Landschaft, sozusagen ein Schwimmen in der Umgebung. Dadurch hat Jacobsen die lokale Lage zum Hafen und die Tradition der Hansestadt Hamburg verdeutlicht.

Auffallend an der gestalterischen Einheit des Schulgebäudes ist die von massiven und doch zu schweben scheinenden durchlaufenden Balken, die das gesamte Gebäude in eine Art Netz gefangen nehmen. Gefertigt sind diese Balken aus Stahlbetonträgern, die schon in ganzen Teilen lieferbar waren. Primär für Jacobsen waren die Proportionen, erst danach kamen Material und Farbe. An den Grundrissen von Ober- und Untergeschoss wird eine klare Linienführung deutlich. Beide Pläne sind beherrscht von einem gut strukturiert durchdachten Strich, eine klare Einfachheit lässt den Betrachter den Aufbau des Gebäudes erkennen. Die rechteckige, kastenförmige Gesamtstruktur und vor allem die Einheit aller Klassen- und Fachräume lassen ein Pavillonsystem deutlich werden. Arne Jacobsen wollte die Verbindung aller Klasseneinheiten hervorbringen, aber dennoch eine gewisse Intimität lassen, indem er für jeden Klassenraum oder jeden Klassenbereich einen eigenen Pausenhof plante. Leider sind die meisten der Innenhöfe aus Beaufsichtigungsgründen jedoch nicht nutzbar. Sie sollten die Natur in das Gebäude bringen, doch auch an der Pflege der Pflanzen mangelte es.

Deutlich wird an den Grundrissen auch die fast synchron angelegte Gegenüberstellung der wichtigen Versammlungsorte Aula wie Sporthalle, die sozusagen ein Rahmen, die gesellschaftlichen Eckpunkte der Schule sind. Zentral davon liegen im Obergeschoß die Klassenräume und im Untergeschoß die Fachräume, getrennt und dadurch doch wieder verbunden durch angelegte Innenhöfe und Flure. Bei Betrachtung der Grundrisspläne wird die geometrische Struktur des Gebäudes deutlich, Flure und Innenhöfe sind langgestreckt waagerecht und im Kontrast dazu stehen die senkrechten Teile der Aula und der Sporthalle. Drei lange Flure gliedern das Schulgebäude außerdem, so sind alle Räume sehr zugänglich, die klare Gleichheit dieser Struktur lässt jedoch viele Möglichkeiten zur Orientierungslosigkeit offen.

Schön ist das Zusammenspiel des „Christianeums“ im Bezug der Farben: helle, weiche Farben im Beige-Grauton für die oben verlaufenden Balken und dazu im Kontrast die schwarzen Fensterumrahmungen. Auffällig wird beim Betrachten der Wände, dass vor allem die Außenwände größtenteils aus Glas bestehen und von dem Gerüst eigentlich kaum getragen werden, was eine spielerische Leichtigkeit vermittelt und auch viel Lichteinfall zulässt, nicht zu vergessen die schöne Aussicht auf die grüne Landschaft, vor allem vor den Kunst- und Musikräumen sichtbar. Auch die Aularückwand, die eine Seite der Pausenhalle und die Wände der Flure sind aus diesem Glasgerüst und lassen so einen Durchblick durch das gesamte Gebäude zu, was wiederum die einheitliche Struktur fördert.

Schön dargestellt auf dem 2. Bild sind die Außentribüne, das Amphitheater mit den großen Steinstufen und die gradlinige Strichführung im Kontrast zu dem geschwungenen Treppengeländer. Hier ist meiner Ansicht nach eine kleine Oase der Schule zu finden, in der man wunderbar entspannen kann. Sehr außergewöhnlich sind auch die rasterartigen Holzgerüste, die auf den oberen Pausenhöfen zur Aula und zur Sporthalle hin zu finden sind und die für mich ein wunderbares Zusammenspiel von Natur und Architektur bilden, da bei Sonnenschein die Schattenwerfung immer wieder ein Erlebnis ist.

Sehr schade ist, dass aus finanziellen Gründen und dadurch, dass Jacobsen während des Baus des Gebäudes 1971 verstarb, nicht sein ganzes Konzept verwirklicht werden konnte. So wurde z.B. auf durch beide Geschosse verlaufende Glassäulen verzichtet, die mit Pflanzen gefüllt werden und sonnigen Lichteinfall bringen sollten. Sie hätten vor allem die sehr düster und einschläfernd wirkende Pausenhalle ein wenig zum Leuchten gebracht und den Naturbezug verstärkt. Auch die automatische Schiebetür und die Abtreppung vor der Aula wurden weggelassen, so dass der Raum heute eigentlich Platzverschenkung ist und wenig strukturiert.

Schade ist außerdem, dass, wieder einmal aus Kostengründen, auf ein Gesamtkunstwerk Jacobsens verzichtet werden mußte und an Mobiliar nur vereinzelt seine bequemen und organischen Stühle „3107“ bei MIC einen Platz fanden. So sind Außen- und Innenarchitektur nicht miteinander vereint und führen zu einem Bruch des Gesamtbildes. Für Arne Jacobsen war diese Einheit seiner Werke wichtig, wie z.B. im SAS-Hotel in Kopenhagen, wo er auch die komplette Inneneinrichtung entwarf. Architektur war für ihn Wissen um die Technik und eine Empfänglichkeit gegenüber der künstlerischen Seite der Angelegenheit. Wichtig war für ihn, das Unwesentliche wegzulassen, um das Wesentliche hervorzubringen. Geprägt war er vor allem von Mies van der Rohe und von Le Corbusier, die wie er im internationalen Stil arbeiteten. Auch die Bauhaus-Bewegung mit ihren klaren schlichten Formen prägte ihn stark. 1965, seine größte Schaffenszeit, war das „Geburtsjahr“ des neuen „Christianeums“.

Für Jacobsen war ein Gebäude oder ein Gegenstand nicht gleich dann schön und Kunst, wenn es bzw. er zweckmäßig-praktisch, also funktionell war. Die Richtung dieses Funktionalismus weitete er aus, indem er immer viele Lösungen für ein Problem der Gestaltung für richtig hielt und sich nur mit der besten zufrieden gab. „Form follows function“ aus der Bauhaus-Bewegung wurde ein Leitspruch für ihn. Ihm war es sehr wichtig, Dinge, egal ob Gebäude, Lampen oder Möbel, für seine Mitmenschen zu designen und dem Menschen zu dienen. Er wollte, dass zum Nutzen ein gewisses Maß an Schönheit, wenn auch einfacherer Art, hinzutrat. Wie auch seinem Vorbild Le Corbusier war es ihm eine wichtige Aufgabe, die Bedürfnisse des Menschen zu erkennen, zu analysieren und bestmöglich zu lösen. Beispielhaft dafür ist sein kindgerechter Aufbau des „Christianeums“; so sind z.B. in den Türen Sichtfenster auf Augenhöhe von Kindern, um ein Zusammenstoßen zu verhindern.

Man kann also sagen, dass Jacobsen nicht nur ein Architekt und Designer fürs Auge war, sondern dass man mit seinen Kunstwerken wirklich leben kann. Jacobsen galt in vieler Hinsicht als revolutionär und zukunftsweisend, ein Beispiel ist das Haus der Zukunft 1929. Er traute sich auf sein innerstes Drängen hin, etwas Neues zu erschaffen, wobei er auch oft auf Kritik und Ablehnung stieß. Er schaffte es, den internationalen Stil zu verbreiten und dabei trotzdem eine „dänische“ Sicht der Dinge mit einzubeziehen. In dem Zusammenhang, was Jacobsen als Architekt (an die 80 Einfamilienhäuser, Teilnahme an 50 Wettbewerben, HEW-Gebäude, Fabrikgebäude, SAS-Hotel und Nationalbank in Kopenhagen, Bellavista) und als Designer (Stühle Ameise, 3107, Schwan, Ei, Besteck, Gardinen, Lampen, Wasserhähne usw.) geleistet hat und was zum Inbegriff schlichter Schönheit wurde („Christianeums“-Zitat: „Wir lieben das Schöne und bleiben dabei schlicht“) ist es schon eine große Ehre, in diesem Gebäude zur Schule gehen zu dürfen, und eigentlich schade, es in einem Jahr schon verlassen zu müssen.Acht Jahre lang bin ich nun schon mit diesem Gebäude vertraut, doch erst jetzt sehe ich viele Stellen mit anderen Augen und lerne die besonderen Einzelheiten dieses Gebäudes kennen. Früher erschien mir die Schule, jedenfalls von außen, als fabrikartiger Klotz, heute weiß ich gerade diese einfache Schlichtheit und Klarheit und die netzartige Gesamtstruktur zu schätzen. Ich finde es sehr schön, in einem architektonischen Kunstwerk von Jacobsen lernen zu dürfen, auch wenn so manche Verbesserungsvorschläge anfallen, die jedoch nicht Arne Jacobsen anzulasten sind.