Gymnasium CHRISTIANEUM

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Deutsch - Vorstellungskraft

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Vorstellungskraft, Imagination

Die Untersuchungen und Diskussionen verschiedener Wissenschaften haben in der Didaktik zu einer Einsicht geführt, die angesichts der Entwicklung unserer Lebenswelt leicht nachvollziehbar ist. Gerade für den um Eigenaktivität bemühten Deutschunterricht ist die Förderung der Vorstellungskraft unserer mediensozialisierten Kinder eine dringliche Aufgabe. Fernsehen, Film, Video und Computerspiele liefern anschauliche Bilder, so dass die Beschäftigung mit ihnen oft beim flüchtigen Hinsehen stehen bleibt; die Vorstellungskraft ist weniger gefordert als bei Texten, insbesondere bei literarischen Texten. Durch die Vorstellungs- oder Imaginationsfähigkeit - in der Anfangsphase des Christianeums wurde dieses dritte Vermögen, neben Sinnlichkeit und Verstand, unter dem Begriff der "Einbildungskraft"(Kant) diskutiert - lassen sich Gefühle, Denken und Eindrücke so verbinden, dass Nicht-Gegenwärtiges vor unser inneres Auge tritt. Je nach Begrifflichkeit (verschiedener Fächer und Ansätze) werden unter der Vorstellungskraft das Erzeugen, Strukturieren und Kombinieren von Bildern verstanden, anschauliches Denken, das über Anmutungsqualitäten verfügt wie Angst- oder Wunschvorstellungen und Utopien, in Tag- und Nachtträumen entwickelte Phantasien, mit deren Hilfe wir reale Erfahrungen überformen, verarbeiten oder auch beschönigen. Rezeptionsästhetisch, also im Hinblick auf ästhetische Gebilde wie literarische Texte, entspricht das Vorstellen dem Besetzen von "Unbestimmtheitsstellen"( Roman Ingarden), dem Füllen von "Leerstellen"(Wolfgang Iser) oder dem unabschließbaren literarischen Spiel, das der Text mit uns Lesenden eröffnet. Im Literaturunterricht sollte imaginatives literarisches Lernen neben diskursiv-interpretierende Vorgehensweisen treten, d.h. neben die analytische Beschreibung und Deutung treten Weisen des produktiv schreibenden, illustrierenden, inszenierenden oder introspektiven Umgehens mit Texten.