Gymnasium CHRISTIANEUM

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Deutsch - Literatur

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Literatur

Literatur spielt in ihren verschiedenen Formen traditionell eine bedeutsame Rolle am Christianeum, nicht nur im Deutschunterricht. In diesem werden von der 5. Klasse an Texte auch größeren Umfangs ("Ganzschriften") gelesen. Die Fachkonferenz hat sich mehrheitlich in verschiedenen Diskussionen immer wieder gegen einen Literaturunterricht gewandt, der sich auf die Arbeit mit bloßen Textauszügen beschränkte. Diese Überlegungen waren auch maßgebend bei der Festlegung für den Lernbuchbereich auf das P.A.U.L. D (persönliches Arbeits- und Lesebuch Deutsch) für die Sekundarstufe I, kombiniert mit den zugehörigen Arbeitsheften zu Rechtschreibung, Grammatik, Schreib- und Lesetraining sowie den verschiedenen Arbeitstechniken als einheitlichem Bezugspunkt des Unterrichts und als Nachschlagewerk für die Schülerinnen und Schüler von der 5. Klasse bis zum Abitur.

Klassische und moderne schöne Literatur werden ab der Sekundarstufe I unterrichtet, abhängig von der jeweiligen Lerngruppe. Es geht um eigene Sinn- und Identitätsbestimmung, aber auch um die grundlegende menschliche Fähigkeit, Welt ästhetisch wahrzunehmen. Dies lässt sich z.B. an der Landschaftsdichtung gut zeigen: Wo es nicht nur zweckrational oder utilitaristisch um Gelände geht, sind wir von der ästhetischen Tradition geprägt, z.B. dem idyllisch-bukolischen und dem romantisch-erhabenen Landschaftsempfinden. Auf solche Weise vermittelt Literaturunterricht auch ein historisches Verständnis über die Entwicklung dieses Welt-Verhältnisses. Klassische Literatur sollte - wie in den unteren Klassen in bescheideneren Maßen die Kinder- und Jugendliteratur - Einblick in die geschichtliche Bedingtheit unserer Gefühle und Wahrnehmungsweisen, unserer Handlungs- und Denkmuster geben, um so die eigene Identität als historisch gewordene bewusst zu machen.  Wenn die Literaturgeschichte als kollektives Gedächtnis geschichtlich sich wandelnder Wahrnehmungen, Wirklichkeitsauffassungen, Normerwartungen und Gefühlswelten, Orientierungskrisen und Ausbruchswünschen gelesen und verstanden wird, kann dies den Einzelnen zu einer kulturellen Erinnerungsarbeit motivieren, die über das bloße Reproduzieren von Lebensdaten einzelner Autoren, schematische Kenntnisse von Epochen, Gattungs- und Stilmerkmale usf. hinausführt. Wird dieser reflektierte Umgang mit "Geschichte" angestrebt, wird der Unterricht gleichwohl zunächst nicht auf die gewohnten Reproduktionsansprüche verzichten. Vielfältige Möglichkeiten der Zusammenarbeit bieten sich hier mit den Fächern Geschichte, Kunst, Philosophie, Religion, Musik u.a. auch naturwissenschaftlichen Fächern an.  Im produktionsorientierten Literaturunterricht sollte es nicht dabei bleiben, dass die Schülerinnen und Schüler ihre Alltagsvorstellungen in die historischen Texte projizieren, sondern es sollten ihnen Chancen geboten werden, diesen Subjektivismus zu überwinden. Wenn z.B. eine Szene aus einem klassischen Drama auf aktuelle Verhältnisse umgeschrieben wird, lässt sich anschließend das historisch Fremde des Ausgangstextes herausarbeiten.

Nicht zuletzt wird die Frage nach dem spezifisch Ästhetischen, nach den künstlerischen Qualitätsmerkmalen stehen. In den  - mit den Jahrgängen differenzierter werdenden - Fragen ergibt sich eine  Akzentverschiebung, z.B.  vom "Was?" des Textes zum "Wie?" Wie weicht eine künstlerische Darstellung von der ab, die ich als Schüler erwartet habe, wie würde ich selbst den Sachverhalt formulieren? Welche Bedeutung kommt der Abweichung von der gewohnten Alltagssprache zu? Gerade hier hat der Literaturunterricht die - durchaus oft wahrgenommene - Chance, eine intensivere Textbegegnung zu arrangieren, als dies bei der privaten Lektüre möglich wäre.