Gymnasium CHRISTIANEUM

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Deutsch - Leseförderung

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Leseförderung, Kinder- und Jugendliteratur

Über die Lektüre, Referate, Literaturlisten, das Literarische Café, in den verschiedenen Gruppen beim Darstellenden Spiel wird versucht, literarische Milieus herzustellen, die anregend wirken, sich selbst mit Literatur über den Unterricht hinaus zu beschäftigen. Auf den Leselisten empfohlener Bücher, nach denen die Schülerinnen und Schüler in der Bücherei des Christianeums und den Öffentlichen Bücherhallen Bücher ausleihen oder in Buchhandlungen kaufen - dies mögen vor Geburts- und Festtagen auch die (Groß)Eltern sein -, stehen schöne  - klassische oder gegenwärtige - Literatur vor allem auf der Liste für die Studienstufe. In der Sekundarstufe I besteht das Gros der Literaturempfehlungen aus Tipps zur Kinder- und Jugendliteratur. Dem entspricht die Veranstaltungspraxis im Literarischen Café. Dahinter steht nicht der beginnende Verzicht auf Bücher literarischer Qualität, vielmehr sollen für deren gewünschte Lektüre die notwendigen Bedingungen geschaffen werden.

Viele unserer Schülerinnen und Schüler lesen gerne, in allen Klassen gibt es Leseratten und Bücherwürmer; wir Lehrer beobachten aber ebenso viele Schüler, die den von der Leseforschung gezeigten Entwicklungen unterliegen: Während der Pubertät und in der frühen Adoleszenz, also in den Klassen 7. bis 10., nimmt das Interesse am Lesen rapide ab, bis hin zum Leseabbruch. Das Spannungsverhältnis zwischen den subjektiven Interessen der Schülerinnen und Schüler und den literaturdidaktischen Intentionen ihrer Lehrer kann in dieser Phase seinen Höhepunkt erreichen. Die Kinderbücher hören auf, die Jugendlichen zu reizen, die ästhetisch bedeutsame Literatur der Erwachsenen können sie noch nicht auf ihre momentane Lebenssituation beziehen. Sie haben zwar ein großes Interesse an ästhetischer Selbstdarstellung, die empirische Jugendforschung sieht dies als Reaktion auf gesellschaftliche Rationalisierungs- und Anonymisierungstendenzen, aber gerade nicht an Originalität und Individualität, sondern oft an der - konformen -Abweichung vom Gängigen, "Spießigen". Die Rollen-Identität, nicht die Ich-Identität, das Einzigartige, Individuelle entspricht dem jugendlichen Bedürfnis. Weder die Sprechweisen noch die übrigen ästhetischen Ausdrucksformen von vielen Jugendlichen genügen also künstlerischen Ansprüchen, sie streben diese auch gar nicht erst an. Die neu entwickelten Ausdrucksformen, seien dies besondere Gruppenjargons, Haar- oder Hosenschnitte, Lippenstifte, Tatoos oder Piercings, werden schnell wieder konventionell und führen zu ständig neuen Kreationen und Moden. Diese wechselnden Gefühle und Bewußtseinslagen werden von realistisch schreibenden Jugendbuchautor(inn)en wie z.B. Kirsten Boie seismographisch wahrgenommen und literarisch umgesetzt. Die Themen folgen der realen Entwicklung: Familiäre Probleme wie Scheidungen, Zunahme von Gewalt, Rechtsradikalismus, Fremdenfeindlichkeit, Magersucht usw. werden zu Schwerpunkten in den Büchern für junge Leser. Diese problemorientierte Literatur reizt zur Selbsterkundung, sie regt an, die eigenen Erfahrungen mit den fiktiven in der Welt des Buches zu vergleichen, wie Kirsten Boie im Literarischen Café gezeigt hat. Neben den vielfältigen problemorientierten, psychologischen und komischen Kinder- und Jugendromanen der 80´er und 90´er Jahre gibt es die Jugendbuchklassiker mit Themen von zeitloser Aktualität -  oder oft präzise ausgetüftelten Gegenwelten, die den Orientierungswünschen kindlicher und jugendlicher Leser entgegenkommen, wie aktuell Joanne K. Rowlings Harry Potter. Selbst Jugendromane, die nur ein Bedürfnis nach Lesevergnügen, Spannung oder emotionaler Beteiligung befriedigen, z.B. die freundlichen Twilight-Vampire, können eine stabile Lesemotivation aufbauen, indem sie in die Welt der Fiktion einführen und die Unterhaltungsfunktion nicht allein dem Fernsehen überlassen. Deshalb haben sie ihren Stellenwert innerhalb der Leseförderung, letztlich der literarischen Bildung.