Gymnasium CHRISTIANEUM

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Deutsch - Kreatives Schreiben

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Produktive Verfahren, Kreatives Schreiben

Die Verfahren des  produktionsorientierten Literaturunterrichts haben sich in den letzten zwanzig Jahren herausgebildet. Sie treten ergänzend neben das klassische "fragend-entwickelnde" Interpretationsgespräch. Sie zielen auf größere Selbständigkeit der Lernenden: Alle Schüler sind eine Weile für sich allein oder in Kleingruppen damit beschäftigt, Texte zu ergänzen, zu erweitern, umzuschreiben, zu ihnen zu malen, sie zu spielen usw. Im Folgenden werden einige Möglichkeiten des produktionsorientierten Unterrichts oder der "produktiven Hermeneutik" exemplarisch aufgeführt (nach Kaspar H. Spinner). Produktive Verfahren zu erzählenden und dramatischen Texten: Figuren in Ich-Form vorstellen; Interviews mit Figuren erfinden; Plakate zu Figuren erstellen; Briefe von und an Figuren schreiben; Tagebucheinträge von Figuren schreiben; den inneren Monolog einer Figur schreiben; Träume von Figuren erfinden: z.B. Gefühle einer Figur gestalten; Textstellen aus der Perspektive einer Figur umschreiben; einen Text in eine andere Textsorte umschreiben bzw. umsetzen: erzählende in dramatische und umgekehrt; eine Buchempfehlung verfassen; Standbilder bauen: Man stelle sich vor, ein Fotograf habe an einer bestimmten Stelle im Text ein Foto gemacht. Dieses wird als lebendes, unbewegtes und stummes Bild nachgestellt; Figurenstatuen bilden: Wie bei dem vorhergehenden Verfahren, allerdings gewinnt die Darstellung einen symbolischen Charakter: Durch die Haltung sollen die einzelnen Figuren charakterisiert und durch ihre Stellung ihre Beziehung zueinander deutlich werden; eine Hörszene oder ein Hörspiel schreiben ....  Für die Lyrik gibt es entsprechend eine Fülle von produktiven Verfahren, von denen sich etliche auch gut mit funktionaler Grammatik verknüpfen lassen. In Lehrbüchern und der Fachliteratur (Christianeumsbibliothek) stehen sie zur Verfügung. Inzwischen ist es möglich, produktive Verfahren in Abituraufgabenstellungen einzubringen.

Während es beim produktionsorientierten Unterricht um das bessere Verstehen vorliegender Werke mit Hilfe des eigenen Schreibens geht, setzt das Kreative Schreiben umgekehrt darauf - zum Teil anhand vorhandener Literatur - das Schreiben als eigenes Ausdrucksmittel zu entdecken und zu entwickeln. Von anderen Formen des schriftlichen Sprachgebrauchs wie Inhaltsangabe, Précis, Protokoll, Erörterung u.a., deren Schreiben durchaus auch Kreativität erfordert, unterscheidet sich das unter diesem Begriff gefasste Schreiben durch folgende Merkmale (nach Joachim Fritzsche): Es ist phantasiegeleitet, denn man muss sich etwas vorstellen oder ausdenken. Kreatives Schreiben ist literaturorientiert, ohne dass die Schüler deshalb zu professionellen Autoren würden (ähnliches gilt im Musikunterricht). Es geschieht immer in der Gruppe, die nicht nur als Publikum in Erscheinung tritt, sondern auch bei Reihumgeschichten, "Brieflawinen", Reißverschlussgedichten oder Queneaus "Stilübungen", bei denen jede(r) dieselbe Geschichte in einem anderen Stil erzählt, gemeinsam an einem Produkt arbeitet. Kreatives Schreiben verläuft im Wesentlichen spontan, das garantiert seine Attraktivität vor anderen Schreibaufgaben. Anders als beim rein persönlichen oder dem professionellen Schreiben sind die Ausgangspunkte immer Impulse, Vereinbarungen oder Aufgabenstellungen. Beispiele: Nach Bildern schreiben; nach Musik schreiben; Schreiben "vor Ort", Schreiben im Gehen; Sich aufs Sehen, Hören oder... beschränken (abgedunkelte Augen); Liebes- oder Kriegserklärung; Geschlechtertausch; Klatschblattgeschichten; Elfchen, Haikus usw.

Amt für Schule (Hg.), Rahmenplan Deutsch. Bildungsplan Gymnasium, Sekundarstufe I. Hamburg 2003

Kaspar H. Spinner (Hg.), Neue Wege im Literaturunterricht. Hannover 1999

Amt für Schule (Hg.), Kreatives Schreiben im Deutschunterricht. Tagungsbericht zur Fachtagung 1998. Hamburg 2000

Arbeitsgruppe Eltern-Lehrer, Lernmappe Christianeum (Orientierungsstufe).

Arbeitsgruppe Eltern-Lehrer, Christianeum. Lernmappe für die Sekundarstufe I.

Arbeitsgruppe Eltern-Lehrer, Christianeum. Lernmappe für die Sekundarstufe II.